Review – Tommy Finke – Ein Herz für Anarchie

 

In der letzten Woche ist uns eine Scheibe aus dem deutschsprachigen Segment zugegangen, die nicht viel mit dem zu tun hat, was wir sonst besprechen. Der junge Künstler Tommy Finke liefert ein handwerklich und musikalisch gut gestaltetes Album ab. Leider vermisse ich hierbei Songs, die wirklich herausstechen, wie bei den meisten neudeutschen Popalben, die auf zu seichte Weise von der bösen Welt und dem harten Leben berichten. Menschen, in deren Plattenschränken sich Scheiben von „Wir sind Helden“, „Adel Tawil“, usw. finden, werden mit dieser Platte bestens belohnt und sollten zuschlagen.

Tommy bietet ein derartig stimmiges Gesamtkonzept ab, dass er sich mit den Größen dieses Genres messen kann. Wer allerdings aufgrund des Albumtitels „Ein Herz für Anarchie“ mit politisch kritischen oder freidenkerischen Aussagen rechnet, ist dann aber mit dem Album falsch beraten. Das letzte Stück der Scheibe, eine weitere Coverversion von Rios „Halt dich an deiner Liebe fest“ ist für meine Begriffe allerdings völlig falsch gewählt. Der unvergessene Künstler aus Berlin hat unzählige große Stücke geschaffen, warum es unverständlich ist, dass die neudeutsche Popgeneration sich immer wieder ausgerechnet an diesem Stück abarbeitet, zumal es schwer sein dürfte, die Qualität von Rio Reiser diesbezüglich zu erreichen. Alles in allem ein Album, wie man es von einem jungen deutschsprachigen Musiker erwartet.

Da sich hier handwerkliches Können durchaus erkennen lässt, gibt das promoportal-germany für das Album 7 von 10 Punkten mit dem Nachsatz „Not my cup of tea“.

Marc Debus

 

Tracklis:

01. Ein Herz für Anarchie 
02. Der Himmel über Berlin 
03. Strukturwandel (In der Mitte fehlt der Fluss) 
04. Die Revolution 
05. 9-Volt Blockbatterien 
06. Zerbrechlich 
07. Lavendel 
08. Bei lebendigem Leibe verpennen
09. Jüngstes Gericht 
10. David Bowie

11. Das nächste Jahrhundert

12. Halt dich an deiner Liebe fest