Gigantische Rockshow und pure Leidenschaft: Tobias Sammets Avantasia

09.04.2019 in der Saarlandhalle in Saarbrücken

Alexandra Kersten-Spengler / Marc Debus

 

 

Avantasia is Back - nach dem Tourstart der Moonglow World Tour 2019 in der Slowakei – spielt Tobias Sammet mit seinem, seit Jahren weltweit gefeiertes Musikprojekt, ein grandioses Konzert in Saarbrücken. Nach drei Jahren kommt der Fuldaer mit seinem Rock-Projekt wieder ins Saarland.

 

Pure Leidenschaft, tiefe Emotionen und erstklassiger Heavy Metal: Wenn Tobias Sammet in Saarbrücken spielt, gibt es kein Halten mehr: Über 1700 mehrheitlich schwarz gekleidete Fans rockten am Dienstagabend in der Saarlandhalle in Saarbrücken.

 

Als Stargäste begeisterten Ronnie Atkins, Jorn Lande, Geoff Tate, Adrienne Cowan, Michael Sembello, Eric Martin, Bob Catley - und natürlich Tobias Sammet mit ihrem Gesang. Bombenstimmung von Anfang an und das über 3 Stunden hinweg - sensationell!!

 

Um 20:10 Uhr geht das Licht aus. Zunächst läuft noch AC/DC vom Band und dann betreten die Musiker zu Ludwig van Beethovens „Symphony No.9“, besser bekannt als „Ode To Joy“, die Bühne. Der große Vorhang fällt und mit „Ghost In The Moon“ geht es los. Tosender Beifall brandet auf, als Mastermind und Tobias Sammet auf die Bühne stürmt. Links stehen Bassist Andre Neygenfind und Sascha Peth an der Gitarre. Dahinter an den Keys wirkt Michael Rodenberg, kurz Miro, der bei vielen Avantasia Alben für die Orchestrierung zuständig ist.

 

Der hinter einer dicken Plexiglasscheibe sitzende Drummer Felix Bohnke wird dann auch mal zum Ziel des Sammetschen liebevollen Spottes. Laut Tobias sitzt Felix hinter der 8 MM dicken Scheibe nicht, weil er, wie ein gefährliches Tier, abgeschirmt werden muss, da er ja mit Holzstöcken auf Tierfelle einschlägt, sondern das hat was mit dem Sound zu tun. Auf der rechten Seite ist dann noch Oliver Hartmann, der sonst bei At Vance oder als Gitarrist bei der Pink Floyd Tributeband Echoes oder in seiner eigen Band Hartmann fungiert. Bereits beim zweiten Song Starlight tritt der erste Gastmusiker auf. Ronnie Atkins, sonst hauptamtlich bei den Pretty Maids gelistet, liefert sich tolle spannungsgeladene Duette mit Tobias oder auch mit der Background Sängerin Adrienne Cowen

 

Tobias übt nun erst mal den Beifall mit dem Publikum, Stichwort ist immer das Schlagwort „Saarbrücken“…und das Publikum nimmt dies gerne an und erwidert dies mit großem Beifall. Dann wird kurz erläutert, dass es heute Abend alten und neuen Scheiß geben wird und das hier mit drei Stunden Spielzeit zu rechnen ist.

 

Mit Book Of Shallows geht es weiter. Auch da ist Ronnie Atkins noch mit von der Partie, obwohl Adrienne den von Mille Petrozza eingesungenen Song mindestens genauso gut drauf hat. Bereits beim nächsten Song The Raven Child kommt schon der nächste Gastsänger dazu. Jørn Lande, bekannt von Masterplan und seinem Projekt mit Allen Russel, passt hervorragend in dieses Projekt. Für die gesangliche Unterstützung sorgen bei fast allen Songs Herbie LanghansIna Morgan und die bereits erwähnte Adrienne Cowen. Nicht nur stimmlich, sondern auch optisch machen die beiden Damen einen überaus überzeugenden Eindruck.

 

So geht es munter weiter. „Lucifer“ wird noch von Jørn Lande gesungen, dann kommt Geoff Tate auf die Bühne. Der lange Jahre bei Queensrÿche tätige Sänger übernimmt die nächsten Songs. Das macht er als „Neuling“ bei Avantasia ausgezeichnet. Einen Song singt er allein und dann auch wieder im Duett mit Tobias Sammet. Er versteht es, zwischen den Songs das Publikum zu unterhalten.  Wer schon mal bei einem Avantasia oder bei einem Edguy Konzert war, der kennt seine Qualitäten als Entertainer. Immer wieder animiert er die Saarbrücker und fordert sie auf, sich lautstark bemerkbar zu machen.

 

Unbestritten ist Avantasia das musikalische und geistige Eigentum von Tobias Sammet und dieses Projekt sieht den Einsatz von Gastmusikern vor. So sind nicht nur auf CD Gastmusiker eingeladen, sondern auch auf Tour. Und so werden die meisten Songs auch von ihnen und mit Tobias bestritten. „Reach Out For The Light” singt Tobias aber allein. Der Song stammt von „The Metal Opera“ und ist bereits 18 Jahre alt. So präsentieren Avantasia heute eben einen guten Querschnitt durch die gesamte Schaffenszeit. Nach dem Titeltrack der neuen CD, Moonglow (auf der CD noch mit Candice Night eingesungen), der heute mit Adrienne Cowen im Duett gut ankommt, wird es poppig. „Maniac“ aus Flashdance ist dran und dazu kommt Eric Martin von Mr. Big auf die Bühne. Er hat sich einen modisch aussehenden Schal um den Hals geschlungen, und passt sich zumindest da Tobias an. Der trägt einen langen, ziemlich dick aussehenden Mantel, ein Stirnband und eben einen langen Schal, der auch mal zum Schweiß abtupfen gebraucht wird. Der Song kommt live erstaunlich gut an und die Halle singt laut mit. Da Eric schon auf der Bühne ist, performt er auch den nächsten Track.

 

Danach sagt Tobias seinen Lieblingsengländer an. Bob Catley, Frontmann von Magnum, ist ein gern gesehener Gast und auch bei den letzten vier Tourneen immer mit dabei gewesen. Nun wird Sascha Peth vorgestellt. Beide kennen sich schon seit Jahren, da Sascha für die Produktion der Avantasia Scheiben verantwortlich ist. Es folgt „The Scarecrow“ vom gleichnamigen Album. Danach kommen bei „Promised Land“ Eric Martin und JørnLande gemeinsam zum Einsatz.

 

Das muss man dem Projekt lassen. Jeder der Sänger bekommt seine Bühne und auch bei den gemeinsamen Stücken stellt sich keiner explizit in den Vordergrund, sondern ordnet sich den Songs unter. Beide Akteure schaffen es hier auch, dass das Publikum den Heehoo-Anteil lautstark mitsingt.

 

Es folgt der Titel, der nach dem Projekt benannt wurde. Avantasia, hauptamtlich von Geoff Tate gesungen, begeistert. Man kann sagen, was man will, aber die Tracks machen live einfach Spaß. Auch bühnentechnisch ist nichts auszusetzen. Im Hintergrund laufen, passend zum jeweiligen Titel, Bilder und Animationen auf einer riesigen Leinwand ohne aufdringlich zu wirken. Das Licht ist toll, der Sound ist gut. Nicht zu laut und gut ausgesteuert.

 

Tobias sagt dann einen zwölf-Minuten-Song an und bemerkt, dass so etwas hier gespielt werden kann, denn es ist ja kein Radio. „Wer hört denn heute noch Radio?“, scherzt er.  Let The Storm Beginn wartet dann auch mit drei Sängern. Neben Tobias sind Jørn Lande und Ronnie Atkins mit dabei. Es folgt Master Of The Pendulum, bei dem Ronnie nun den Leadgesang übernimmt. Als Nächstes darf auch Oliver Hartmann mal singen. Immerhin umfasst sein Stimmvolumen vier Oktaven und die kommen bei Shelter From The Rain zum Einsatz. Dazu gesellt sich dann Herbie Langhans, der auch mit einer guten Stimme ausgestattet ist. Auch Ina Morgan wird ins Rampenlicht gerückt und singt dann mit Bob Catley im Duett, der inzwischen auch mit eingestiegen ist.

 

Nun ist wieder das Publikum dran. Tobias provoziert Saarbrücken mit: „Saaarrrbrüüückkken“. Erwartet wird natürlich eine lautstarke Resonanz und die wird dann ausgelotet. Es folgt der nächste Seitenhieb auf Manowar. Joey DeMaio hätte jetzt das Konzert beendet. Wir nicht!!! Mit Lost In Space verabschiedet er sich dann, denn wenn‘s am Schönsten ist, dann muss man aufhören. Somit sind dreieinhalb Stunden Spielezeit um.

 

Nach einer Minute lauten Zugaberufen kommen sie aber wieder. Die Zugabe beginnt mit Farewell von The Metal Opera. Da gibt’s dann noch ein schönes Duett von Tobias und Adrienne. Nun kommt die obligatorische Bandvorstellung, die an dieser Stelle auch mal eine Viertelstunde dauert. Zwar hat er bereits im Verlaufe des Konzertes einige vorgestellt, nun sind aber alle der Reihe nach dran und erhalten ihren verdienten Beifall. Beim allerletzten Song Sign Of The Cross, ebenfalls von der Metal Oper, sind dann alle Akteure des Abends auf der Bühne. Dies sorgt für viel Stimmgewalt. Dann wird noch die Konfettikanone abgefeuert und ein schönes Bild beendet um 23:30 Uhr dieses Spektakel. Klar gibt’s noch ein abschließendes Band/Zuschauer Foto.

 

08.04.2019 in der Esperantohalle Fulda

 

Fulda…das Heimspiel von Tobias Samet´s Avantasia fand am Tag zuvor vor ausverkauftem Haus statt. Schon bei der Ankunft an der Halle konnte man eine riesige Schlange von Menschen bewundern, die auf den Zutritt zur Halle warteten – ausverkauftes Haus halt.

 

Die Setlist war die gleiche wie am folgenden Tag in Saarbrücken und die Begeisterung in der Halle war gigantisch. Viele Angehörige der Bandmitglieder waren ebenfalls im Saal und feierten mit den übrigen Fans die gewaltige Show auf der Bühne. Auch in Fulda war das Zusammenspiel der Sänger auf der Bühne ein Genuss. Vor allem die Performance von Geoff Tate war wie immer einzigartig. Die übrigen Gastsänger zeigten ebenfalls, wie unterschiedlich ein Projekt mit dem Wechsel der Gesangsfront klingen kann. Ronnie Atkins, Eric Martin und auch Oliver Hartmann, der Gitarrist der Band zeigten hier ihr Können.

 

Die Begeisterung in der Halle konnte bis zur letzten Minute aufrechterhalten werden. Selbst bei den Zugaben verließ kaum ein Zuschauer den Raum, um die Band bis zur letzten Minute auszukosten. Die vielen Male, die ich Avantasia in den letzten Jahren sehen konnte ermöglichen zu sagen, dass die Show in keiner Weise nachgelassen hat. Die Besetzung ist immer erstklassig und die Präsentation des Ganzen lässt nichts zu wünschen übrig. Avantasia wird weiterhin die Hallen füllen und die Fans begeistern – auch wenn es mir persönliche ein wenig zu „Mainstream“ ist.

 

Setlist vom 08.04 und vom 09.04.2019:

Symphony No. 9, Op. 125

Ghost in the Moon

Starlight (mit Ronnie Atkins)

Book of Shallows (mit Ronnie Atkins)

The Raven Child (mit Jørn Lande)

Lucifer (mit Jørn Lande)

Alchemy (mit Geoff Tate)

Invincible (mit Geoff Tate)

Reach Out for the Light (mit Oliver Hartmann)

Moonglow (mit Adrienne Cowan)

Maniac (mit Eric Martin)

Dying for an Angel (mit Eric Martin)

Lavender (mit Bob Catley)

The Story Ain't Over (mit Bob Catley)

The Scarecrow (mit Jørn Lande)

Promised Land

Twisted Mind (mit Geoff Tate)

Avantasia (mit Geoff Tate)

Let the Storm Descend Upon You (mit Jørn Lande)

Master of the Pendulum (mit Ronnie Atkins)

Shelter from the Rain (mit Bob Catley)

Mystery of a Blood Red Rose (mit Bob Catley)

Lost in Space

Farewell (mit Adrienne Cowan)

Sign of the Cross / The Seven Angels