Pur – zwischen den Welten – in Köln am 12.12.2018

Wenn man seit 39 Jahren zusammen Musik macht, hat man das eine oder andere bereits hinter sich gebracht. Sänger Hartmut Engler und Bassist Joe Crawford sind tatsächlich nächstes Jahr vier Dekaden lang in der gleichen Band am Start und haben immer noch Spaß an ihrem Beruf. Leider fehlt der an Krebs erkrankte Keyboarder Ingo Reidl, der 2019 bereits 44 Jahre dabei wäre. Er soll aber im Sommer auf die Open Air-Bühnen zurückkehren. Dieses Jahr gibt es aber Indoor 13 Termine, bevor 2018 Adieu sagt. Auch in Köln bringen Pur in einer Besetzung mit sieben Personen auch die Lanxess Arena zum Beben. 

Eine runde Bühne im Herzen der Halle, nämlich in der Mitte des Innenraums. So wird der Abstand auch zu den Fans in der letzten Reihe verkleinert und alle haben das Gefühl, ganz nah dabei sein zu dürfen. Das Publikum ist generationsübergreifend vom Enkel, zur Mutter bis hin zur Großmutter vertreten. Mit sieben Nummer 1-Alben und knapp sieben Millionen verkauften Tonträgern ist das Interesse stets groß genug geblieben. Um 20:10 und somit fast pünktlich dringt die Stimme Englers durch die Boxen, er grüßt aus der Umkleide und weist darauf hin, dass in wenigen Sekunden das Konzert losgeht. Und in der Tat dauert es nur noch ein paar Augenblicke. Engler betritt als erster die Bühne, stellt sich auf das leicht angehobene Podest in der Mitte der Bühne Nach und nach bekommt die Bühne mehr Bandmitglieder zu sehen .

Pur war nie eine Gruppe, die sich leicht in eine Schublade stecken lässt. Für Schlager stets zu Rockig, für deutschen Singlecharts-Pop irgendwie zu unkommerziell, für Singer/Songwriter zu mitsingtauglich. Auch in den Zeiten, in denen Deutsch-Pop alles andere als im Trend war, sind sie stets ihrer Muttersprache treugeblieben. Nur so ist auch nach einer derartig langen Bandgeschichte dieses Publikum erklärbar. Mit knapp 30 Songs ist die Setlist vollgepackt bis obenhin, gleich 150 Minuten lang wird gespielt. Acht Lieder sind von dem neuen Album „Zwischen den Welten“, das auch optisch als zentrale Figur dient. Hartmut erklärt, daß der heutige Abend eine Zeitreise zwischen den alten Liedern und den neuen sein wird „zwischen den Welten“.Über der Bühne gibt es ebenfalls  Leinwände, auf denen Galaxien und Sternenhimmel abgebildet werden. Zwischenzeitlich sehen wir Liveübertragungen von der Bühne, Bildaufnahmen aus der Studiosession oder auch politische Messages auf technisch anspruchsvollem Niveau, eingehüllt in warmen Farben.

Gerade die Sozialkritik ist ein Bestandteil, der nicht fehlen darf. Frontmann Engler betont, dass kritische Songs wie „Bis der Wind sich dreht“ und „Neue Brücken“ seit 20 Jahren von ihnen gespielt werden und es schade ist, dass sie selten so aktuell waren. Er verkleidet sich für diese und einige andere Songs, trägt bei „Indianer“ den bekannten Kopfschmuck, bei „Abenteuerland“ den Mantel aus der passenden Zeit. Außerdem wird viel mit den restlichen Bandleuten agiert, fast jeder Song anmoderiert und stets Raum fürs Publikum gelassen. Nicht selten darf dies die Leadstimme übernehmen, teilweise minutenlang.

Max Giesinger war ein Überraschungsgast, der mit tosendem Applaus empfangen wurde. Doch damit nicht alles, auch Nelson Müller, der nicht nur als Sternekoch fungiert, war einer der Überraschungsgäste. Last but noch least Daniel Wirtz, der auch schon bei „sing meinen Song“ den Titel „wenn sie diesen Tango hört“ in seiner fantastischen Version präsentierte.

Erstaunlich, welch eine Hitquote die Show zu bieten hat. „Wenn du da bist“, „Ein graues Haar“, „Ich lieb‘ dich (egal wie das klingt)“, „Lena“, „Hab‘ mich wieder mal an dir betrunken“, „Funkelperlenaugen“ – alle sind dabei und werden mit lauten Fanchören zu Highlights. Hier und da funkeln einige Augen tatsächlich vor Freude. Menschen liegen sich in den Armen und scheinen emotional sehr ergriffen zu sein. Da kommen bei den besonders intimen Momenten, in denen jeder im Raum ein paar Worte mitsingt, definitiv Schauer auf, die wohlig den Rücken herunterlaufen. „Wenn sie diesen Tango hört“ ist Englers Mutter gewidmet, die mit 91 Jahren von ihm ging, „Geweint vor Glück“ geht mit Pianosounds besonders tief. Abgerundet wird das gut-tuende Konzert durch zwei Konfettibomben, einem Handylichterhimmel und gleich sechs Zugaben. Die Band bedankt sich mehrmals für das aufmerksame Publikum und verspricht jetzt schon, im Sommer ähnliches wieder zu bieten.

A. Kersten-Spengler